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Am 10. November wurde um 19 Uhr bei Radio Tonkuhle zum ersten Mal ein großes Hörspielprojekt ausgestrahlt: Die Schlangenbande. Es sind die Erinnerungen des Alfelders Willi Sievers über den Gestapoterror gegen Jugendliche im Dritten Reich. Im Dezember wird das Hörspiel online sein, und vorher gibt es Aufführungen. Die meisten sind für bestimmte Gruppen wie etwa Schulklassen, aber es gibt auch eine für die Öffentlichkeit:

Am 16. Dezember geht es um 19 Uhr im Foyer F1 des TfN los!


Der Trailer für die Schlangenbande auf YouTube

Der Hintergrund
Zerbombte Städte, verlorene Schlachtfelder, Millionen Tote. Seit der Niederlage von Stalingrad im Februar 1943 und der alliierten Landung auf Sizilien im Sommer 1943, zeichnete sich unweigerlich der Niedergang des 3. Reiches ab. Offenen Widerstand, wie ihn die „Weisse Rose“ in München versuchte, exekutierten die Nazis unbarmherzig. Mit der Winteroffensive 1943/44 kamen die sowjetischen Armeen den Reichsgrenzen immer näher, der D-Day am 6. Juni 1944 mit der alliierten Landung in der Normandie eröffnete den Zwei-Fronten-Krieg. Nach dem Stauffenberg-Attentat am 20. Juli 1944 kulminierte der Nazi-Terror nicht nur an den Fronten, sondern auch im Inneren des Reiches.

Auch jugendliche Widerstandsgruppen, „Meuten“, „Blasen“, „Swings“, und „Edelweißpiraten“, ob politisch motiviert oder nicht, gerieten unter ungekannten Fahndungsdruck von Gestapo und Justiz.  Am 10. November 1944 wurde im zerstörten Köln-Ehrenfeld eine Gruppe von 13 „Edelweißpiraten“ öffentlich und ohne Gerichtsurteil erhängt.

Auf den Tag genau 75 Jahre später wurde zu ihrem Gedenken das Historienhörspiel „Die Schlangenbande“ um 19 Uhr erstmals in Auszügen ausgestrahlt.

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Ein Fahnenzug der Hitlerjugend in Alfeld. Foto: Heinz Jöhrdens

In Alfeld an der Leine verhaftete im Januar 1944 die Gestapo eine Gruppe von 13 Mitgliedern der Hitlerjugend. Ausnahmslos handelte es sich dabei um die Söhne von ehemals sozialdemokratischen oder kommunistischen Familien. Der Grund: Sie hätten versucht, eine neue bündische Vereinigung, den "Schlangenklub" oder die "Schlangenbande" als Konkurrenz zur HJ aufzubauen. Die Anklage vor der Jugendstrafkammer des Amtsgerichts in Hildesheim machte aus den Jugendlichen angehende Hochverräter, und so gelangte auch Willi Sievers, Sohn eines kommunistischen Vaters, in die Mühlen der Verbrecherdiktatur.

Sievers erzählte seine Geschichte zunächst in der Reihe "Erinnerste Dich?" - und dann kam die Idee, daraus ein Hörspiel zu machen. Dahinter stehen Dr. Thomas Muntschick, der Hörspielregisseur und Ex-FSJler Silas Degen und die Lokalredakteurin Sabine Kuse. Gefördert wurde das Projekt u.a. von der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, dem Kulturbüro der Stadt Hildesheim und der Friedrich Weinhagen-Stiftung.

Patrick BachDer Schauspieler Patrick Bach beim Lesen seiner Rolle

Die historischen Protagonisten werden von zahlreichen berühmten SynchronsprecherInnen wie Eckart Dux, Lutz Mackensy, Kerstin Sanders-Dornseif oder Bernd Rumpf (ⴕ 1. Oktober 2019, in seiner letzten Rolle) zum Leben erweckt. Auch bekannte Schauspieler*innen von der Kinoleinwand wie Patrick Bach, Ursela Monn und Ulrich Noethen leihen den Charakteren ihre unverwechselbaren Stimmen.

Im Anschluss an die erste Ausstrahlung gab es ein Hintergrundfeature mit Original-Interviews von Dr. Thomas Muntschick. Das gesamte Hörspiel wird im Dezember in Einzelveranstaltungen gemeinsam mit Schulklassen angehört und anschließend diskutiert.

Mehr Hintergrundinformationen - und ab Dezember auch das ganze Hörspiel - gibt es unter www.schlangenbande.de.

 

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