Anlässlich des heutigen 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz hat der Historiker Michael Wolffsohn dazu aufgerufen, Geschichte anschaulich zu vermitteln. Er plädiere immer dafür, die Fakten über Tote lebendig zu vermitteln, sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", denn durch ihr einst aktives oder passives Wirken lebten sie so in unserem Bewusstsein weiter. Auf diese Weise könne auch längst Vergangenes die Menschen heute und künftig prägen - und das gelte insbesondere für die Zeit, in der keine Augenzeugen des Holocaust mehr am Leben sein werden.
Wolffsohn kritisierte zugleich die heutige Gedenkkultur. Wenn man, wie zu oft vor allem in der Politik, Geschichte zum Ritual verkümmern lasse oder nur Moral predige, wende sich das Publikum ab, egal, ob alt oder jung. Mit ritualisierten Reden sei längst niemand mehr zu erreichen: Bei fast allen Rednern zum Thema Holocaust könne er voraussehen, was sie sagen - kein Wunder, so Wolfssohn, dass kaum noch jemand hinhöre.
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