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Ein Geschichtsprojekt in Kooperation mit der FAG-Göttingen und der University of Kansas City.

Trug und Schein


Ein Photo aus dem Jahre 1936 - ein Chor irgendwo in einer Kleinstadt des Deutschen Reiches, 3 Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Zwischen zwei jungen Menschen "hat es gefunkt"; es soll aber noch zwei Jahre dauern, bis sie sich zum ersten Male schreiben, sich treffen, einander ihre Liebe gestehen. 75 Jahre später - auf den Tag genau am 4. Mai 2013 - werden die Briefe von Hilde Laube und Roland Nordhoff (beides Pseudonyme) zugleich im Internet veröffentlicht und als Hörbriefe im Programm von Radio Tonkuhle gesendet.

Das Projekt hat also zwei große Teile:
Die Briefe zum Lesen und Kommentieren finden Sie auf www.trugundschein.org
Die Hörfassungen der Briefe als Podcast finden Sie hier auf tonkuhle.de

Wohl einzigartig im Umfang, in ihrer freimütigen Prosa und in ihrem Kommentar zum Alltag des Dritten Reiches bietet diese große Sammlung von Briefen die Gelegenheit, die Erfahrungen und das Verhalten eines gewöhnlichen deutschen Paares während des zweiten Weltkriegs zu erkunden.

Zur Homepage von Trug und Schein


"Trug und Schein - ein Briefwechsel" veröffentlicht die Briefe von Hilde und Roland in derselben Geschwindigkeit, mit der sie geschrieben wurden. In dem wir die Geschichte langsam entdecken, zeigen wird die dauerhafte, ja sogar tagtägliche Hingabe normaler Deutscher beispielsweise gegenüber ihrer Arbeit, ihren Familien, den Kriegsanstrengungen, dem Nazi-Regime. Diese Methode wird auch die vielfachen Mehrdeutigkeiten eines Alltagslebens betonen, das sich ungleichmäßig in einem ungewissen militärischen und gewaltsamen gesellschaftlichen Kontext abspielte. Sie zeigt vor allem die Entstehung von Geschichte als nach vorne offenem Prozeß: was wussten durchschnittliche Deutsche, was nahmen sie in ihrem Alltag wahr, welche Schlüsse zogen sie für ihr Verhalten?

Geschichte hören
Die Hörfassung der Briefe - zu hören bei Tonkuhle und als Podcast im Internet - wird von einem Blog und einem Wiki begleitet. Hörer werden so als voll gleichberechtigte Teilnehmer in die Lage versetzt, am Prozess der Bedeutungsfindung dieser Quellen teilzunehmen. Auf der Webseite www.trugundschein.org wird das Publikum eingeladen, in einem Prozess vernetzten Erinnerns selber kritische Deutungen über das Alltagsleben während des Krieges zu schreiben. Ziel dieses Projekts ist es nicht wie sonst, die Öffentlichkeit über die NS-Geschichte zu erziehen, sondern sie herauszufordern, noch einmal und vielleicht auch neu über diese Vergangenheit zu denken, zu diskutieren, und zu deuten.  Zweck dieses Projekts ist, diese Briefsammlung zu nutzen, um eine breite, kritische Begegnung mit der NS-Vergangenheit anzustoßen. Schreib mal mit!

In ihrer dichten Beschreibung privaten und öffentlichen (Er-)Lebens der Nazi-Zeit und von ihrem Umfang her, sind diese Geschichten eine überaus reichhaltige Quelle. Die Unvollkommenheit dieser Briefe - die sich auf Leute, Zusammenhänge und Inhalte beziehen, die diese Briefe nicht selbst erklären - wird mehr Fragen aufwerfen, als Antworten liefern. In dieser Hinsicht sind besonders die Opfer der NS-Gewaltherrschaft zu betonen, die im Alltag von Roland und Hilde erscheinen, ohne alle Fragen über ihre Stellung darin ausreichend zu erklären. Die Neigung der Briefe zur Sentimentalität wird uns an ihre sehr gewöhnlichen Sorgen erinnern. Die sich wiederholenden Details werden die mannigfachen Dinge, die diese durchschnittlichen Deutschen taten - tagein, tagaus - als Mitglieder dieser faschistischen und rassistischen Volksgemeinschaft klar machen.


Wer macht das Projekt?

Andrew Stuart Bergerson, PhD, Professor, Department of History, University of Missouri-Kansas City
Thomas Muntschick, PhD, Radio Tonkuhle, Hildesheim
Manuela Hörr und Mark Roberts, Rapid Arts Movement, Hildesheim
Arbeitsstelle Historische Anthropologie, Universität Erfurt
Die Quellenvorbereitung übernimmt eine internationale Arbeitsgruppe, die sich leicht ins „crowdsourcing"-d. h., in Mitarbeit von einem interessierten Publikum- erweitern lässt.

Tonkuhle präsentiert

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